Unnaryd (10. bis 13.06.2020)

von Reike

Die gut 100 Kilometer von Stockaryd ins nordöstlicher gelegene Unnaryd führen uns vorbei an Wäldern und Seen. Anne und ich freuen uns bei jedem Hanglage-Grundstück, auf dem ein Schwedenhaus den darunterliegenden See übertront. Herrliche Anblicke.

Wo könnte man schöner picknicken, als auf einer saftigen Blumen-Wiese, vielleicht mit Seeblick? Immer, wenn uns der Hunger auf der Autofahrt heimsucht, breiten wir kurzerhand eine Decke aus auf der nächstbesten Wiese, die uns freundlich anlacht. Und uns lachen viele Wiesen in Schweden an.

Picknick auf irgendeiner Wiese mit Seeblick.

Auf den letzten Kilometern inspiziere ich die Landschaft gewohnheitsmäßig umso genauer. Das habe ich schon als Kind gemacht. Ich will wissen, wie die Vegetation am Zielort ist. Ob dort Pilze wachsen? Wird es Felsen geben? Könnte der See, an denen die Allwetterreifen unseres Foki gerade vorbei rollen, schon jenen Seen sehr ähnlich sein, die unserer Unterkunft am nächsten liegen?

Plötzlich wird es doch noch einmal zivilisiert. Wir durchqueren eine Kleinstadt. Wo eben noch Fichten und Moos landschaftsbildbestimmend waren, ist es jetzt in kontrastreichen Farbtönen lackiertes Holz und Asphalt. Etwas verdattert schaue ich aufs Navi. Dass dieses mir eine Reststrecke von lediglich noch 1,3 Kilometern ankündigt, erschrickt mich. Haben wir uns aus Versehen in eine Stadt eingebucht? Unbarmherzig zählen die Meter runter und jede Hoffnung schwindet, dass wir doch noch zurück in den Wald finden, ehe der Zähler auf Null geht.

Ein letztes Mal biegen wir von der breiten Hauptstraße ab, einen kleinen, asphaltierten Weg bergauf, der bald zum Schotterweg wird. Das Gebüsch links und rechts wird wilder, die Ortsbebauung endet. Und plötzlich sind wir doch wieder im Wald. Aufatmen. Zweihundert Meter und zwei Kurven später sind wir da. Hier muss es sein. Auf allen vier Seiten von hohen Fichten, Kiefern und gelegentlichen Birken eingeschlossen, steht unser Bungalow in Alleinlage mitten im Grün, wenn man von dem einen, unbelegten Nachbarbungalow absieht. Das sorgfältig gemähte Gras rund um das Minihäuschen legt den Blick auf die Rückseite des Grundstücks frei, die ein üppiger Lupinensee markiert, dessen Lila und Rosatöne uns staunen lassen.

Wir freuen uns, dass der Bungalow zweckmäßig und einfach, aber solide und gemütlich eingerichtet ist und so fällt uns der Wechsel aus den vergleichsweise luxuriösen Platzverhältnissen unserer letzten Unterkunft hierher nicht schwer. Die Kinder Murren etwas, weil ihnen ihr mit einem Doppelstockbett ausgestattetes Zimmer winzig erscheint. Sie versuchen, uns ins mehreren Anläufen kreativ davon zu überzeugen, in das offensichtliche Elternschlafzimmer einziehen zu dürfen, aber nix da.

Die Dusche befindet sich in der toten Ecke des Flurs. Und als wir das Regal des separaten, kleinen Toilettenraums mit unseren Reiseutensilien einräumen wollen, entdecken wir begeistert, dass dieses in Doppelfunktion unterwegs ist, im Nebenjob als Tür den Weg in einen geheimen Heizraum freigibt. Der Einfallsreichtum, mit dem hier jeder Quadratzentimeter genutzt wurde, erhält meine neidlose Anerkennung.

Wir genießen das schöne Grundstück und kicken etwas mit dem Ball, so wie wir es in den kommenden Tagen noch oft tun werden. Hier so abgeschieden zu sein, gleichzeitig dem hübschen Örtchen Unnaryd so nah, umgeben von all dem Wald, der nur uns zu gehören scheint, mit dieser prächtigen Lupinenwiese und bestem Sommerwetter, schenkt uns ein Gefühl von Reichtum, den ein hochmodern eingerichtetes Designerloft uns nicht im Ansatz hätte vermitteln können.

Was Buttermilch auf schwedisch heißt, mussten wir und die Cornflakes erst lernen.

Unsere Mahlzeiten nehmen wir alle draußen ein, alles andere wäre Verschwendung. Die frische Waldluft schenkt uns in sämtlichen Nächten dank offener Fenster einen hervorragenden Schlaf. Zu Fuß machen wir tagsüber kleine Ströperausflüge weg vom Ort zum 300 Meter entfernten Waldsee mit seinem schwerzugänglichen Ufer – Angeln und Baden fallen hier aus.

Die Wälder in Schweden sind fast überall wie hier mit Blaubeer- und Preiselbeersträuchernteppichen bedeckt.
Preiselbeere in Blüte

Der Waldboden ist überalle mit Heidelbeerpflanzen bedeckt, deren Blüte gerade zu Ende geht, und Preiselbeerpflanzen, deren Blüte gerade ihre Hochzeit erlebt. Häufig sind auch Krähenbeersträucher, die etwas an kleine Nadelbäume erinnern und ebenfalls essbar sind. Gelegentlich sieht man auch Steinbeersträucher, weniger häufig ist die Moltebeere. Schweden ist das Land der Beeren, deren Vielfalt nur von ihrer Häufigkeit übertrumpft wird. Ich erinnere mich noch, wie ich mit zwei guten Freunden vor einigen Jahren ziemlich ausgehungert und nach langem Fußmarsch durch steinigen Wald überraschend auf eine Lichtung stieß, groß wie ein Fußballfeld, mit mehr-als-mannshohen Himbeersträuchern überwuchert. Es bedurfte keinerlei gesprochener Worte und unser Marschgepäck viel geräuschlos auf den weichen Moosbooden. Etwa dreißig Minuten und unzähligen kleinen lustvollen Stöhnern später, ausgelöst durch kulinarischen Rausch, ließen wir uns neben unsere Wanderrucksäcke schwerfällig auf den Boden sinken. Friedlich verweilten wir so, noch immer ohne Worte, die wärmende August Sonne genießend und dankbar für das kostbare Gefühl des Sattseins. Der Gedanke daran, dass wir jetzt zum Ende unserer Schwedenreise mit etwas Glück noch die Beerenzeit mitnehmen könnten, entzückt uns.

Schmalblättriges Wollgras steht vereinzelt hier und dort am sumpfigen Seerand.

In die andere Richtung, wieder gen Unnaryd, spazieren wir zum großen See, an dessen Ufer sich die Kleinstadt schmiegt, und entdecken in der Bucht gegenüber eine Badestelle, von der wir auch schon gelesen hatten.

Mit dem Fahrrad stoßen wir am nächsten Tag weiter nach Unnaryd vor, machen Halt im ersten und einzigen Bioladen der Gegend, in dem uns die nette Verkäuferin neben einem herzerwärmenden Begrüßungslächeln auch zahlreiche Ausflugstipps schenkt. Ivo übt sich ein wenig im Englischsprechen und hat damit großen Erfolg. Als Gegenleistung für die Tipps kaufen wir für Nante bunte Socken. Vom Preis ausgehend müssen das wahnsinnig gemütliche Socken sein, die viele Jahre halten werden.

Ein kurzer Abstecher zur bereits vortags erblickten Badestelle bringt den Jungs ihr erstes schwedisches Badeerlebnis. Auch hier, wie fast überall, ist das Wasser deutlich bräunlich gefärbt, was die beiden überhaupt nicht interessiert, denn schon sind sie im kühlen Nass verschwunden. Draußen sind es vielleicht 17 Grad Celsius und auch wenn die Sonne bei strahlend blauem Himmel ihr bestes gibt, kommt sie im Kampf um jeden Grad Körpertemperatur gegen die steife Briese, die hier weht, nicht an, vor allem nicht auf nasser Haut. Also wird das Badeerlebnis auf 15 Minuten gedrosselt, nicht ohne heftigen Protest der Jungs versteht sich, bevor es weiter geht.

Aufgewärmt wird sich auf dem benachbarten Schulspielplatz, den wir für uns alleine haben, denn vor zwei Tagen haben hier die Ferien begonnen. Früher hätte man das bei uns wohl Abenteuerspielplatz genannt. Die Geräte sind hier fantasievoller, alle mit einer Funktion, gröber als in Deutschland üblich. Anne und ich unterhalten uns darüber, dass dieser Spielplatz in Deutschland vermutlich längst geschlossen worden wäre, zumindest in Berlin, aus Protest überängstlicher Prenzl-Berg-Eltern und der besorgten Ortsteilleitung, falls doch mal etwas passieren sollte, eingerissener Splitter oder so. Bedauerlich für viele dadurch abgesperrte Berliner Spielplätze, für deren Sanierung häufig das Geld knapp ist, aber schön, dass es hier entspannter zugeht. Schweden halt.

Wir nutzen nun jede uns bietende Gelegenheit und machen Anschauungsunterricht in der Hausschule. Heute zerlegen wir die Blüte von Riesenklatschmohn.

Die Knospe wird vorsichtig aufgebrochen..
..zum Vorschein komt das farbenfrohe Innere..
..welches sich binnen Tagen selbst entfaltet hätte..
..und den Stempel verbirgt, aus dem sich später die Frucht und damit schließlich die Mohnsamen entwickeln.

Wir entscheiden uns, einem der gerade erhaltenen Auflugstipps Folge zu leisten und den rund 2 Kilometer entfernten Campingplatz „Vallsnäs Camping“ zu besuchen. Hier soll es das einzige vernünftige Restaurant im Ort geben und wir sind ausgehungert wie die Wölfe.

Der Campingplatz ist auf einer Halbinsel gelegen, auf deren saftig grünen Hügeln unumzäunt wunderschöne Schwedenhäuser protzen, als wäre ihnen bewusst, wie exklusiv ihre Lage sei. Leider hat das Restaurant auf dem Campingplatz zu. Angesichts des recht heftigen Gegenwindes und der recht ordentlichen Steigung, welche uns auf dem Rückweg erwarten, und der knurrenden Bäuche, ist die Laune auf Fußsohlenhöhe. Wir schaffen es gerade so zurück in den Ortskern und stürmen in den Coop, der Filiale einer schwedischen Supermarktkette, als würden wir keine Gefangenen machen wollen.

Finnische Saunen sind auch in Schweden weitverbreitet.

Von Baden und Radtour unterzuckert schlemmen wir genüßlich die Supermarkteinkäufe auf dem städtischen Rasen – Erdbeeren, Käse, Rote-Bete-Salat, Wraps und Salzkekse. Göttlich.

Der Abend klingt bei einem Spiel Skip-Bo aus, ehe uns der wohlverdiente Schlaf vereinnahmt. Ein markerschütternder Schrei weckt mich aus tiefer Nachtruhe. Ob es ein Vogel ist oder ein Säugetier vermag ich nicht zu bestimmen. Vergnügt über soviel Wildnis um uns herum sinke ich friedlich zurück in abenteuerliche Träume.

Der nächste Morgen überbietet den vorherigen gefühlt nochmals mit Sonnenschein und frischer Luft und setzt das Grundstück erneut perfekt in Szene. Bei einem kleinen Ausflug per Auto besuchen wir einen schwedischen Friedhof in Odensjö, der uns nicht nur wegen seiner strahlendweißen Kirche ins Auge fällt, sondern auch, weil er einen romantischen Blick auf den benachbarten See zulässt. Ein schöner Ort für ein Grab.

Bartflechten geben selbst bestens bekannten Baumarten ein eigentümliches Aussehen.

Ivo erkennt, dass der mit Bartflechten bewachsene, schauerlich anmutende Baum vor der Kirche eine Kastanie ist. Wir schauen uns mit den Kindern die Namen auf den Grabsteinen an – Johannson, Nelsson, Andersson, Nielsson. Die Vornamen machen noch mehr Spaß – Abbe, Alvar, Blix, Laja, Oden. An den Geburts- und Sterbedaten üben wir Kopfrechnen und phantasieren darüber, wie wohl das Leben dieser Menschen hier verlaufen sei.

Im Gras entdecken wir die Haut einer Schlange, die sich hier wohl vor kurzem ihrer zu klein gewordenen entledigt hat. Eine Schlingnatter, wie ich sie aus Deutschland nicht kenne.

Wo kann Lesen schöner sein

Zurück im Bungalow machen wir Hausschule. Nante lernt im Sachkundeunterricht gerade, dass Regenwürmer über die Haut atmen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, denn meine gesammelten Würmer brauchen regelmäßige Belüftung. Das behelfsmäßige Gefäß jedoch, in welches ich die Würmer bei unserem letzten Aufenthalt gebettet hatte, liebevoll mit Erde und etwas Moos, war ohne jedes Luftloch und ich hatte es seit zwei Tagen nicht geöffnet, obwohl es im Kofferraum gelegentlich sicher auch warm wird. Das schlechte Gewissen habe ich vor allem, weil ich jetzt schon mehrfach daran gedacht hatte, die Würmer zu lüften, nur jeweils zu faul war, dem Gedanken Taten folgen zu lassen.

Ich stehe auf, gehe zum Kofferraum und öffne das Tomatensaußenglas, Geschmacksrichtung Arrabiata. Ein widerliche Gestank schlägt mir entgegen. Ich bin zu spät. Großes Bedauern erfasst mich. Es tut mir leid, dass diese schönen Würmer so sinnlos gestorben sind. Für manche mögen es nur Würmer sein. Für mich sind es aber Lebewesen. Ich gehörte nie zu jenen, die sich zieren, eine stechbereite Mücke zu erschlagen oder gar einen Fisch auszunehmen. Sich ins Haus verirrte Spinnen jedoch rette ich lebend und entlasse sie zurück in die Freiheit. Ich habe auch keine Gewissensbisse, einen Fisch zu fangen, zu töten und zu verspeisen, würde jedoch nie mehr Fisch mitnehmen, als ich verzehren kann, oder sie nur als Trophäen spaßeshalber fangen und dann wieder freilassen. Ein Lebewesen zu töten muss einem legitimen Zweck dienen, damit mich mein Gewissen frei gewähren lässt. Egal wie klein oder groß das Wesen ist.

Als Mensch stehe ich kräftemäßig über den meisten anderen Tieren. Zivilisiertheit hat für mich viel damit zu tun, nicht alles zu machen, nur weil man es kann. Wo diese Grenze zu ziehen ist, unterscheidet sich freilich von Land zu Land im Groben, von Mensch zu Mensch im Feinen. Während ich diese Gedanken denke, beißt mir der üble Geruch hartnäckig in die Nase, sodass ich alle Gedanken fallen lasse und zunächst das sich aufzwängende Problem beseitige, und zwar am Waldrand. Zwei Tage darauf werde ich noch eine illustre Ansammlung von Insekten, allen voran Mistfliegen dabei beobachten, wie sie sich über den bereits von der Sonne ausgetrockneten Würmerrest hermachen.  Der ewige Kreislauf des Lebens schließt sich von allein und führt die Würmer doch noch einem höheren Sinn zu, was meinem Gewissen eine gewisse Befriedung verschafft.

Kurz vor der Abreise möchte ich meinen Würmervorrat aber für die nächste Etappe wieder auffüllen. Beim letzten Mal hat das nachts mit Kopflampe ja hervorragend geklappt und so ziehe ich gegen eins erneut los. Tatsächlich gestaltet sich die Würmersuche diesmal viel schwieriger. Ob es am höheren Gras liegt? Am anderen Boden? An dem Umstand, dass es hier länger nicht geregnet hatte? Ich genieße die Gelegenheit, ganz nebenbei viel darüber zu lernen, welche Insekten und Schnecken in diesem Teil Schwedens die Nacht zu ihrem Tag machen und bin wie schon so oft verblüfft darüber, wie eigen der Rhythmus des nächtlichen Tierlebens ist und wie verschieden von dem des Tages.

Plötzlich formiert sich eine Wolke winziger Insekten um mich, angezogen von meiner Kopflampe oder mir selbst. Sie surren nicht und sind viel zu klein für Mücken, versperren mir aber teilweise die Sicht und fliegen völlig idiotisch ungebremst auch in meine Augen, sogar in die Nasenlöcher. Nach wenigen Sekunden beißt es mich und ich vermute, dass sich zu den Miniinsekten nun doch noch auch Mücken gesellt haben. Für heute breche ich die Würmersuche ab, denke ich noch bei mir, als die Anzahl der Bisse explosionsartig zunimmt. Ich schlage wild um mich und flüchte, so schnell ich kann ins Haus, direkt in den Toilettenraum, wo ich Licht und Spiegel habe und meine schlafende Familie am wenigsten störe. Im Spiegel sehe ich, dass noch immer mehrere der winzigen Fliegen auf meinem Gesicht krabbeln, teilweise auch still sitzen. Jetzt, wo die kurze Flucht vorbei ist und ich in vermeintlicher Sicherheit bin, nehme ich mir einen kurzen Augenblick und beobachte die kleinen ungebetenen Gäste. Und tatsächlich, dort wo sie sitzen, spüre ich kurze Zeit später dieses unangenehme Beißen. Nicht zu fassen, wie stark der Beißschmerz eines so kleinen Lebewesens sein kann. Währenddessen beginnen die bereits 2 Minuten alten Bissstellen, heftig zu jucken. So gut es geht zermahle ich jedes der noch übrigen, an mir haftenden kleinen Ungetüme. Etwas verstört gehe ich später zu Bett.

Am nächsten Morgen verrichte ich Schadenskontrolle. Die Nacht war – erstmals an diesem Ort – unerträglich, was gänzlich den vielen Juckstellen zuzuschreiben ist. Überall entdecke ich rote Stellen und beginne zu zählen. Die kleinen Biester haben ganze Arbeit geleistet. Damit erhöht sich der Zähler bei mir auf 101 Mückenstiche im Gesicht, an Fuß- und Handgelenken, an Nacken, Händen, Zehen und sogar – ja auch das will gesagt sein – an den königlichen Kronjuwelen. Beim Lesen dieser Zeilen magst Du vielleicht Anstoß nehmen und Dir über Dinge wie Anstand Gedanken machen, die Mücken jedoch seid Euch versichert taten dies zu keiner Zeit. Und attackieren einen, wenn sie können, selbst bei der Verrichtungen der menschlichsten aller Notdürfte, offensichtlich.

Später lerne ich, dass diese Plagegeister Svidnotts heißen, in Deutschland wohl auch zuweilen Gnitze genannt. Sie sind so klein wie Gewitterwürmer, nur weniger friedlich. Gut erkennbar sind sie an ihren dreifach gebänderten Flügeln. Zusammen mit Kriebelmücken sollen sie in Deutschland durch massenhafte Plage in den 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts auslösend für die Trockenlegung zahlreicher Sümpfe und Moore gewesen sein. Allergische Reaktionen auf ihre Bisse sind häufiger und heftiger. In Serbien haben Berichten zur Folge riesige Schwärme dieser Fliegen in nur vier Stunden 80 Pferde, 40 Rinder und 400 Schweine in einem Dorf getötet. Anders als die mir bekannten „normalen“ Mücken oder Moskitos, stechen diese Fliegen nicht: Sie beißen und lecken das austretende Blut auf. Die völlig wehrlosen Tiere, in deren Münder, Ohren- und Nasenlöcher diese Stechmücken vorkrabbeln, wenn sie keine leichtere Stelle weiter außen erwischen, bringen bei zu zahlreichen Stichen und auf Grund ihrer toxischen Stoffabgabe den Kreislauf der Weidetiere zum kollabieren. An diese armen, jäh verendeten Tiere muss ich denken und rede mir ein, wie gut ich es im Vergleich erwischt habe. Und dass es ja nur Mückenstiche bzw. -Bisse sind. Leicht erträglich wird es dadurch jedoch nicht für mich und ich fühle mich ein wenig von der Natur besiegt.

Voll darauf konzentriert, nicht überall zu kratzen, schnalle ich am Abreisetag die Räder aufs Dach und belade die Taschen, welche Anne bereits mit beeindruckender Routine fertig gepackt hat. Auf gehts zur nächsten Unterkunft.

Kinderzimmer
Typisch für AirBnB, dass die Schlüsselübergabe mit Hilfe kleiner Schlüsseltresore erfolgt.
Wohnzimmer
Wohnzimmer
Schlafzimmer
Küche
Dusche
Toilette mit…
..Geheimtür..

One comment on “Unnaryd (10. bis 13.06.2020)”

  1. Tante Rosi sagt:

    sehr spannend, danke!
    Grüße nach Schweden in die herrliche Wildnis.
    eure T. Rosi

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