{"id":87,"date":"2020-06-09T19:44:17","date_gmt":"2020-06-09T19:44:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.weltrundfahrt.de\/?p=87"},"modified":"2020-06-09T21:43:31","modified_gmt":"2020-06-09T21:43:31","slug":"die-ueberlegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.weltrundfahrt.de\/?p=87","title":{"rendered":"Die \u00dcberlegung"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Anfang stand das Wort. Genau genommen eine Frage. Die, ob wir zu viert nochmal reisen wollten, bevor es f\u00fcr unsere Kinder schulisch-bedingt so ung\u00fcnstig werden w\u00fcrde, dass wir jede l\u00e4ngeren Reisepl\u00e4ne letztlich verwerfen m\u00fcssten. Und bevor dann &#8211; nach einer langen Pause bis zur weitgehenden Selbstst\u00e4ndigkeit unserer Kinder &#8211; wir selbst zu alt w\u00e4ren, um es noch zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ivo war bereits 10, in der 5. Klasse, und n\u00e4chstes Jahr w\u00fcrde sein Wechselvorbereitungsjahr runter werden, bevor der Wechsel zur weiterf\u00fchrenden Schule anst\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nante war fast 8, in der 2. Klasse und von uns vieren eigentlich am unproblematischsten, was Reisepl\u00e4ne anbelangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anne arbeitete seit 2 Jahren als leitende Projektingenieurin in verschiedenen Projekten gleichzeitig mit Hochdruck an der Er\u00f6ffnung des vielgescholtenen Gro\u00dfflughafens BER mit. Eigentlich schwer vorstellbar, vorher nochmal zu reisen. Vielleicht nach der Er\u00f6ffnung?<\/p>\n\n\n\n<p>Reike hatte gerade in den letzten Z\u00fcgen die Insolvenz einer Firma abzuwickeln und die zugeh\u00f6rige Auffanggesellschaft aufzubauen und wirtschaftlich zu stabilisieren. Auch nicht gerade die ideale Ausgangssituation f\u00fcr eine Auszeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar war .. eigentlich gar nichts. Wie lange? Wohin? Wann? Wir kannten den Unterschied zwischen Urlaub und Reise sehr genau, und wussten, es w\u00fcrde eine Reise werden. Wir hatten eine vage Vorstellung von deren Dauer &#8211; 2 bis 4 Monate vielleicht. Und wir waren v\u00f6llig offen vom \u00f6rtlichen Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sprachen gelegentlich mit anderen \u00fcber unsere \u00dcberlegungen einer Familienauszeit. Mit Verwandten, Freunden, Kollegen, Bekannten und Fremden. Die Reaktionen waren h\u00f6chst verschieden. Einige warfen die H\u00e4nde in die Luft? &#8222;So ein Wahnsinn&#8220; h\u00f6rten wir. &#8222;Sowas w\u00e4re uns fr\u00fcher nie in den Sinn gekommen&#8220;. &#8222;K\u00f6nnt Ihr Euch das \u00fcberhaupt leisten?&#8220; oder &#8222;Und was ist mit den Kindern, die m\u00fcssen doch zur Schule&#8220;. Bedenken, Sorgen und \u00c4ngste. Um so mehr wir davon h\u00f6rten, um so deutlicher wurde, dass es sich um die Bedenken, Sorgen und \u00c4ngste anderer handelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00fcberwiegende Teil derer, mit denen wir unsere Gedankenexperimente teilten, aber war begeistert. &#8222;Ach das w\u00fcrde ich auch gern mal machen&#8220; \u00e4nderte sich hier der Ton. &#8222;Ihr seid so mutig&#8220; oder &#8222;Das h\u00e4tten wir mal auch machen sollen aber jetzt ist es zu sp\u00e4t&#8220;. &#8222;Das macht Ihr genau richtig&#8220; oder scherzhaft &#8222;Nehmt Ihr mich mit?&#8220;. Der Zuspruch tat uns sehr gut und ermutigte uns weiterzudenken. Und auch in den positiven Kommentaren wurde deutlich, wie sehr unsere Reise\u00fcberlegungen anderen die M\u00f6glichkeit boten, mitzutr\u00e4umen, und vielleicht f\u00fcr einen Augenblick wehm\u00fctig \u00fcber den eigenen fehlenden Mut zu so einer Reise hinwegzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso mehr wir uns jedoch ernsthaft mit der Frage besch\u00e4ftigten, wie wir diese Tr\u00e4umerei in unser echtes Leben einbauen k\u00f6nnten, umso waghalsiger, abwegiger und unversch\u00e4mter kamen uns diese \u00dcberlegungen vor. Immer wieder kamen Punkte, an denen uns der Mut verlie\u00df und wir froh waren, wenn der Alltagsstress uns wieder vollkommen vereinnahmte und uns so eine Tr\u00e4umpause bescherte. Aber das Fernweh kam zur\u00fcck. Jedes Mal. St\u00e4rker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Anfang stand das Wort. Genau genommen eine Frage. 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